Fristlose Kündigung wegen Fehlverhaltens: Arbeitgeber muss Vorwurf genau konkretisieren

Hervorgehoben

Arbeitsgericht KölnUrteil vom 30.09.2009
– 18 Ca 10651/08 –

Beleidigungen und Bedrohungen von Arbeitskollegen: Ohne Konkretisierung des Fehlverhalten ist fristlose Kündigung unwirksam

Ungenau bezeichnetes Fehlverhalten reicht für fristlose Kündigung nicht aus.

Ein Arbeitgeber muss für eine fristlose Kündigung den genauen Zeitpunkt und den genauen Ort des Fehlverhaltens nennen. Ist ihm dies nicht möglich, ist die Kündigung unwirksam, hat  das Arbeitsgericht Köln a. 30.09.2009 entschieden.

Im zugrunde liegenden Streitfall viel der Arbeitnehmer durch  ständiges rüpelhaftes Verhalten gegenüber Kollegen auf. Der Arbeitnehmer bedrohte und beleidigte seine Arbeitskollegen in regelmäßigen Abständen, was der Arbeitgeber teilweise auch nachweisen konnte. Ende Juni 2008 soll der Lagerist einem Mitarbeiter im Aufenthaltsraum ein Messer an den Hals gehalten haben.

Trotz dieses erwiesenen Fehlverhaltens war die fristlose Kündigung nach Ansicht der Richter unwirksam, weil das Fehlverhalten seitens des Arbeitgebers  räumlich und zeitlich nicht genau angegeben werden konnte. Die ungefähre Angabe „ende Juni 2008“ reichte dem Arbeitsgericht Köln zur Konkretisierung der Tat nicht aus.

Für das übrige rüpelhafte Verhalten des Arbeitnehmers sei lediglich eine fristgerechte Kündigung gerechtfertigt, jedoch ist anerkannt, dass leichtere Verstöße zuvor abgemahnt werden müssen, zumal wenn im Betrieb ein rauer Umgangston herrscht.